Selbsthilfegruppe für klassische Homöopathie e.V.
   
Großangriff auf Homöopathie - Dokumentation
 
 

Interessante Artikel, Äußerungen, Links zur Homöopathie-Diskussion:

Artikel aus Spiegel-Online - Wissenschaft - Medizin vom 10.7.2010

Deutschlands Krankenkassen wirtschaften am Rande des Bankrotts - kann sich dieses System noch Zuschüsse für homöopathische Behandlungen leisten? In der SPD regt sich Protest, ein Verbot wird gefordert. Auch einflussreiche Funktionäre und Aufseher sehen ein riesiges Sparpotential.

Berlin - Der Streit um die Homöopathie spitzt sich zu. Nachdem für die meisten Wissenschaftler erwiesen ist, dass die Homöopathie auf einem Placeboeffekt beruht, fordert die SPD nun, die Alternativmedizin aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen.

"Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen", sagte Karl Lauterbach, SPD-Obmann im Gesundheitsausschuss des Bundestags, dem SPIEGEL. Dass mittlerweile mehr als die Hälfte aller gesetzlichen Krankenkassen die Leistungen von Homöopathen erstatten, kritisiert der Experte: "Viele Patienten glauben, die Kassen zahlen nur das, was auch nachweisbar hilft. Deshalb adeln die Krankenkassen mit ihrem Vorgehen die Homöopathie."

Auch der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses aus Ärzten und Krankenkassen, Rainer Hess, hält die jetzige Situation für "extrem unbefriedigend". Es gebe nach Hunderten medizinischen Studien bisher keinen klaren Nutzennachweis für die Homöopathie. Trotzdem müssen die Krankenkassen sie bezahlen. "Es hat schon viele Anläufe gegeben, die Schutzvorschrift für derartige Mittel zu streichen, aber einflussreiche Politiker haben dies immer wieder verhindert", sagt Hess.

Jürgen Windeler, der zum 1. September seinen Job als Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) antritt, nennt die Homöopathie im SPIEGEL ein "spekulatives, widerlegtes Konzept". Bis heute sei nicht erwiesen, dass die Methode einen medizinischen Nutzen habe. "Dazu muss man auch gar nicht mehr weiterforschen, die Sache ist erledigt", sagt der künftige oberste Medizinprüfer im Land.

Homöopathie in Beweisnot - und international unter Druck

Die Homöopathie basiert auf den Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann. Ab 1796 argumentierte dieser, Krankheiten sollten dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip folgend am besten durch Medikamente geheilt werden, die bei Gesunden die gleichen Symptome hervorrufen könnten wie die Krankheit. Weil das teils nur mit Giftstoffen zu erreichen war, ersann Hahnemann die Potentierung genannte extreme Verdünnung der Wirkstoffe.

Heutige homöopathische Mittel werden ritualisierten Regeln folgend so stark verdünnt, dass die Wirkstoffe mit heutigen Messverfahren meist nicht mehr nachweisbar sind. Für Kritiker macht das die Homöopathie zu einer esoterischen Disziplin.

Ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirkung homöopathischer Mittel über das Maß normaler Placebo-Effekte hinaus ist bisher nicht gelungen - weder Kritikern noch Befürwortern. In Großbritannien organisiert die Kampagne "10 hoch 23" Aktionen, die auf die Entfernung homöopathischer Mittel aus Apotheken und aus dem Leistungsspektrum des öffentlichen Gesundheitswesens NHS drängen. Am 30. Januar rief die Kampagne zu einer öffentlichen Überdosierungsdemonstration, bei der sich rund 400 Freiwillige vielhundertfach überhöhte Dosen homöopathischer Mittel zuführten, um deren Wirkstofffreiheit zu demonstrieren. Dokumentiert wurden zunächst weder Wirkungen noch Nebenwirkungen (siehe Fotostrecke).


Mitte Mai sprach sich die britische Ärztevereinigung British Medical Association offiziell gegen den Einsatz homöopathischer Mittel im öffentlichen Gesundheitssystem aus. Hunderte britische Ärzte forderten, die Stoffe aus dem Katalog der von Gesundheitsbehörden bezahlten Mittel zu nehmen. Homöopathie sei nichts als "Hexenhandwerk", sagte ein Vertreter der Standesorganisation.

pat

 

 

SPIEGEL-Artikel vom 13. Juli 2010 "Der große Schüttelfrust" (pdf-Datei mit 3,7 MB)

 

 
 

Interessante Links und Zusammenfassungen mit vielen "Gegen"-Kommentaren zur Forderung, Homöopathie sofort aus dem Krankenkassenkatalog als "Kann-Leistung" zu streichen

http://www.yamedo.de/blog/homoeopathie-sofort-streichen/  

Sehr informativer Blog mit vielen weiteren Hinweisen und Informationen:

http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=11771

 

 
 

Pressemitteilung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte

Berlin – 13. Juli 2010, offener Brief an Prof. Dr. Lauterbach (SPD) zu seinem Vorschlag, die Erstattung homöopathischer Behandlungen verbieten zu lassen.

Lauterbach fordert Zweiklassen-Medizin

Ein offener Brief an Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD), nachrichtlich Jens Spahn (CDU/CSU), von Cornelia Bajic und Curt Kösters, Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.

Sehr geehrter Herr Professor Lauterbach,

als Ihren Beitrag zur Sanierung des angeschlagenen deutschen Gesundheitswesens, lassen Sie öffentlich verbreiten, dass den Krankenkassen die Erstattung homöopathischer Behandlungen verboten werden soll.

Nun sind wir angesichts der Tatsache, dass die Ausgaben für homöopathische Behandlungen inklusive Arzneimittel etwa 0,003 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen ausmachen, nicht vollständig davon überzeugt, dass dieser Schritt das Gesundheitswesen retten wird, haben aber durchaus Respekt vor energischem Handeln – selbst wenn es im Einzelfall wie Aktionismus wirkt.

Besser argumentiert es sich jedoch auf informierter Grundlage. Selbst wenn man anderer Meinung ist, gehört es zu den guten Gepflogenheiten einer demokratischen Kultur, sich die Argumente der anderen Seite zunächst einmal anzuhören.

Wir haben uns vor einigen Monaten um einen Gesprächstermin mit Ihnen bemüht und leider keinen erhalten.

Wir hätten Ihnen dann gerne dargelegt, dass

  • es sehr wohl Doppelblind-Studien gibt, die eine Wirkung der Homöopathie belegen. (z.B. Frass et al. zur Behandlung von Komapatienten auf einer Intensivstation)
  • die Metaanalyse von Shang et al. methodisch angreifbar ist und im Übrigen auf grundsätzlich falschen Annahmen beruht
  • die Versorgungsforschung zeigt, dass die Homöopathie in der Praxis effektiv und kostengünstig ist. (Charité-Studie, PEK Schweiz)

Dass die Homöopathie in der Praxis effektiv und kostengünstig ist, liegt unseres Erachtens daran, dass

  1. Patienten unter einer homöopathischen Behandlung gesund werden,  und damit effektiv weniger Kosten verursachen
  2. homöopathische Mittel preisgünstiger sind als konventionelle Pharmaka
  3. die deutlich längere Anamnese auch einen besseren Überblick über die klinische Situation gibt. Effektiv werden dadurch Kosten für technische und Labordiagnostik gespart.

Aber das ist nicht nur unsere Wahrnehmung. Die Effektivität der homöopathischen Behandlung ist in der Versorgungsforschung unumstritten; dies auf den Placebo-Effekt zu verkürzen, wäre gleichbedeutend mit der Feststellung, dass große Teile der konventionellen Medizin nicht effektiver sind als ein Placebo.

Angesichts Ihres beruflichen Hintergrundes in der Epidemiologie und Gesundheitsökonomie ist Ihnen gewiss bekannt, dass

  • große Teile der konventionellen Medizin über keine Evidenz hinsichtlich der Wirksamkeit verfügen – nur hinsichtlich der Wirkung (nur Surrogatparameter, keine harten Endpunkte wie Mortalität)
  • wenn überhaupt eine Evidenz vorliegt, dann nur für den Idealfall der Monotherapie und nicht für die Praxisrealität der Polypharmakotherapie.

Wie stellen Sie sich vor diesem Hintergrund eine auf Evidenz basierende Polypharmakotherapie vor? Fordern Sie auch – Ihren Gedanken konsequent zu Ende gedacht –, dass  eine Polypharmakotherapie zulasten der gesetzlichen Krankenkassen nur noch in Form von standardisierten Behandlungsprotokollen gestattet ist, wenn diese Protokolle jeweils als Ganzes in Doppelblindstudien anhand harter Endpunkte auf ihre Wirksamkeit untersucht sind?

Ein verführerisches Szenario sicherlich: Die Arzneikosten wären damit schlagartig auf einen Bruchteil reduziert.

Wir geben allerdings zu bedenken, dass Sie damit effektiv die Zweiklassen-Medizin vorantreiben. Patienten, die sich das leisten können, werden sich auch weiterhin eine individuelle Therapieentscheidung ihrer Ärzte gönnen. 

Das gilt übrigens auch für die Homöopathie. Es ist nicht so, dass die Patienten Homöopathie für effektiv halten, weil die Krankenkassen das erstatten; es ist vielmehr deutlich umgekehrt, dass die Krankenkassen homöopathische Behandlungen erstatten, weil die Patienten das wünschen. Würde die Homöopathie aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen, hätten die Ärzte eine etwas kürzere Wartezeit und könnten nach GOÄ abrechnen. Den Schaden hätten die Patienten, die ihre Pflichtversicherungsbeiträge zahlen und sich fragen, warum die Therapie ihrer Wahl nicht mehr erstattungsfähig ist.

Das Instrument der Sonderverträge wurde von einem SPD-geführten Gesundheitsministerium in das Gesundheitswesen eingebracht. Das war ein marktwirtschaftliches Instrument mit dem erkennbaren Ziel, Bewegung in die erstarrten Strukturen des Gesundheitssystems zu bringen. Experimente sollten ermöglicht werden, Ideen und Therapiemöglichkeiten erprobt werden in freier Wahl der Vertragspartner.

Es muss Ihnen ja nicht jedes einzelne Ergebnis gefallen. Vielleicht sollten Sie sich aber die Frage stellen, ob das sozialpolitische Instrumentarium des 19. Jahrhunderts den Herausforderungen der Medizin des 21. Jahrhunderts gewachsen ist.

Ebenso dürfen Sie sich natürlich auch gerne die Frage stellen, ob eine Medizin des 19. Jahrhunderts diesen Herausforderungen gewachsen ist. Wir sind da ganz zuversichtlich. Der Trend geht zu einer individualisierten Medizin, auch in der konventionellen Therapie. Jeder Patient hat seine eigene Krankheit – eine Idee, die, mit Verlaub gesagt, homöopathischen Ärzten schon seit 200 Jahren vertraut ist. Die Kollegen werden in Bälde feststellen, dass sie den gleichen epistemologischen Problemen gegenüberstehen, die für jede Art von individualisierter Therapie gelten.

Wir würden uns über ein Treffen zu einem offenen Meinungsaustausch nach wie vor freuen. Immerhin scheint die Homöopathie Ihrer Ansicht nach relevant für die Gesundheit des deutschen Gesundheitswesens zu sein.

Reden schadet (fast) nie. Wir können uns gerne über die Organisation und Finanzierung einer ergebnisoffenen Homöopathie-Forschung unterhalten, die wir begrüßen. Sie könnten das Ziel haben, herauszufinden, warum diese Placebos so regelhaft erfolgreich funktionieren – wir würden gerne verstehen, wie die substanzspezifische Wirkung eigentlich funktioniert. Das wäre dann praktizierter Wissenschaftspluralismus – eine schöne Vorstellung.

Cornelia Bajic, Ärztin                           Curt Kösters, Arzt

Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte

 

 
Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 13. Juli 2010 mit einem Interview mit Prof. Dr. Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschicht der Medizin - "Kein bildungsferner Hexenzauber"  
 

E-Mail von Herrn Tutschek an Karl Lauterbach und Antwort-E-Mail:

From: "Karl Lauterbach" <karl.lauterbach@bundestag.de>
To: "Reinhard Tutschek" <Reinhard.Tutschek@t-online.de>
Sent: Wednesday, July 14, 2010 4:13 PM
Subject: Re: Protest

Sehr geehrter Herr Dr. Tutschek,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, in der Sie meine Äußerungen in den Medien zur Wirkungslosigkeit der Homöopathie kritisieren. Da ich eine sehr große Anzahl von Zuschriften dazu bekommen habe, bitte ich um Verständnis, wenn ich diese alle einheitlich beantworte, ich möchte es aber nicht versäumen
Ihnen meine Sichtweise kurz darzulegen.
Zunächst möchte ich betonen, dass sich meine Kritik nicht pauschal gegen alle Naturheilverfahren gewandt hat. Hier gilt: Was hilft, hilft und sollte daher auch erstattet werden. Meine Kritik richtete sich vor allem
gegen den Einsatz homöopathischer Verfahren bei Schwerkranken und Kindern.
Hier sind mir nicht wenige Fälle bekannt geworden, bei denen die Homöopathie den Einsatz wirksamer Therapien verzögert oder sogar verhindert hat mit der Folge von schwerwiegenden, irreparablen Schäden für
die Betroffenen.

Auch ist mir klar, dass die Kassen kaum Geld sparen würden, wenn sie die wenigen homöopathischen Anwendungen, die sie noch bezahlen, streichen.
Aber darum ging es mir ja auch nicht, sondern nur um die Vermeidung von schweren gesundheitlichen Schädigungen bei Patienten, die den Wert dieser Behandlungsform überschätzen. Als Wissenschaftler und Mediziner muss ich leider auf der Grundlage der vorliegenden Studien davon ausgehen, dass die
Homöopathie keine Wirkung zeigt, die über den Placebo-Effekt und die Zuwendung des Arztes hinausgeht.
Sanfte und sprechende Medizin, insbesondere durch Hausärzte, genau wie durch Psychotherapeuten und naturheilkundliche Verfahren werden aber von mir immer unterstützt, wie Sie sicherlich wissen.

Mit freundlichen Grüßen
Karl Lauterbach


Reinhard Tutschek schrieb:
Sehr geehrter Herr Professor Lauterbach,

mit Befremden und Empörung haben Vorstand und Mitglieder des "Vereins zur Förderung der klassischen Homöopathie in Bayreuth e.V." Ihre Äußerungen zur Homöopathie zur Kenntnis genommen. Ich beziehe mich dabei auf einen Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" vom 13. Juli 2010, wonach Sie
homöopathische Arzneimittel als wirkungslos kritisieren und den Krankenkassen bescheinigen, sie würden die Homöopathie "adeln", wenn sie im Rahmen von Wahltarifen homöopathische Medikamente bezahlen.
Wenn Sie nicht ignorant sind, dann sollte Ihnen bekannt sein, dass die Wirkung homöopathischer Arzneimittel tausendfach empirisch belegt ist.
Diese Wahrheit wird sogar von Schulmedizinern anerkannt, wie die Integration der Homöopathie an nicht wenigen Kliniken in Deutschland zeigt (vergleichen Sie bitte dazu die Homepage der Karl und Veronica
Carstens-Stiftung).
Offensichtlich verwechseln Sie die Wirksamkeit der homöopathischen Therapie mit dem aus konventioenll-mezinischer Sicht weitgehend ungeklärten Wirkungsmechanismus. Gerade von Ihnen als seriösem
Gesundheitspolitiker wäre zu erwarten gewesen, dass Sie diesen gravierenden Unterschied beachten. Für mich unklar sind die Motive Ihres Angriffs auf die Homöopathie, zumal sich Ihre Partei, die SPD, zusammen mit den Grünen seinerzeit dafür eingesetzt hat, gesetzlich Versicherten die homöopathische Behandlung über Wahltarife zu ermöglichen. Falls Sie annehmen sollten, dass die finanziellen Probleme des Gesundheitssystems durch ein Verbot homöopatischer Arzneimittel gelöst werden könnten, befänden Sie sich auf einem Irrweg, denn gerade diese Mittel sind um ein Vielfaches preiswerter als allopathische. So bleibt nur die Frage nach dem politischen Absicht Ihres Vorstoßes: Wollen Sie Ihrer eigenen Partei, die doch immerhin für eine tolerante Haltung in der Gesundheitspolitik steht, in den Rücken fallen, und wenn ja, warum?
Ich fordere Sie auf, Ihre wahrheitswidrigen und damit unverantwortlichen Äußerungen zurückzunehmen bzw. richtig zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Reinhard Tutschek
(1. Vorsitzender)

 
 

Pressemitteilung der Veronica-Carstens-Stiftung vom 14. Juli 2010: Stellungnahme zum SPIEGEL-Artikel mehr

 
 

16. Juli 2010

Die Präsidentin der Hahnemannia, Ingrid Maier-Regel, teilte uns Folgendes mit:

  1. Eine gemeinsame Stellungnahme zum Thema Homöopathie von Seiten der Homöotherapeutischen Klinik, des Fördervereins Krankenhaus für Naturheilweisen und der HAHNEMANNIA ist in der Heidenheimer Zeitung (HZ) erschienen.
  2. Eine Stellungnahme der HAHNEMANNIA zu seinem Diskussionsanstoß wurde an Herrn Professor Lauterbach geschickt.
  3. Leserzuschriften sind an den „Spiegel“ und an die „Stuttgarter Zeitung“ gegangen.